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Jack Guerdon
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Darknet-Kompendium (1): Einführung und Anonet Score: 8
Datum: 20. Februar 2009 18:38

Angesichts von Internetüberwachung und Netzsperren ist die Beschäftigung mit unzensierten und anonymen Alternativen zum herkömmlichen Internet absolut ontopic für Freiheitsfreunde. Aus diesem Grunde möchte ich in loser Folge hier im Forum die wichtigsten Darknet-Projekte vorstellen, mit einer kurzen Beschreibung ihrer Funktionsweise und einer aktuellen Zustandsbeschreibung.

Was ist überhaupt ein Darknet?
Im Gegensatz zum öffentlichen Internet kommunizieren die Beteiligten in einem Darknet im Verborgenen, so dass Aussenstehende nichts über Art und Inhalt der Kommunikation in Erfahrung bringen können. Dies wird in der Regel durch den Aufbau verschlüsselter Verbindungen zu den jeweiligen Teilnehmern erreicht.

Während "echte" Darknets gemäß der üblichen Definition nur einer geschlossenen Benutzergruppe zur Verfügung stehen, erlauben die in meiner Artikelserie vorgestellten Darknet-Projekte jedem Interessierten die Teilnahme. Im Gegensatz zu den nicht anonymen Filesharing-Netzen (BitTorrent, EMule, ...) werden jedoch Vorkehrungen getroffen, die die Identität der Teilnehmer voreinander verschleiern oder ganz verstecken sollen (pseudonymes bzw. anonymes Netz).

Anonet
AnoNet ist unter den anonymisierenden Darknets vermutlich das kleinste, es wurde 2005 gegründet und hat nach eigenen Angaben "mehrere hundert" Mitglieder, wobei die genaue Anzahl aufgrund der dezentralen Struktur nicht festgestellt werden kann. Im Gegensatz zu anderen Darknets basiert Anonet auf verschlüsselten statischen Routen, die über die VPN-Software OpenVPN betrieben werden. Innerhalb des VPN bekommt jeder Teilnehmer eine eigene IP aus einem im Internet nicht vergebenen Bereich (derzeit 1.x.x.x); die Anonymisierung kommt dadurch zustande, dass jeder Knoten nur die (Internet-)IP der Knoten kennt, die direkt mit ihm verbunden sind, nicht jedoch die anderer Teilnehmer.

Zusätzlich fordern die Betreiber von Anonet Teilnehmer ausdrücklich dazu auf, sich möglichst nur mit Knoten zu verbinden, die aus Sicht des jeweiligen Teilnehmers im Ausland liegen. Durch diese Art der "Globalisierung" soll Behörden und anderen interessierten Organisationen das Aufspüren und Identifizieren von Teilnehmern zusätzlich erschwert werden. Zu 100% sicher ist dies jedoch nicht und spätestens multinational operierende Geheimdienste wie die NSA dürften sich mit Hilfe von Verkehrsdatenanalyse vermutlich ohne Weiteres einen Überblick darüber verschaffen können, wer an Anonet teilnimmt. Eine Zuordnung bestimmter Daten zu bestimmten Teilnehmern ist jedoch nicht so einfach möglich, weswegen das Schutzniveau für Standardanwendungen wie Filesharing dennoch ausreichend sein sollte.

Installation
Die Installation von Anonet erweist sich als deutlich schwieriger als bei anderen Projekten und setzt fortgeschrittene Kenntnisse beim Anwender voraus. Dieser muss zuerst die OpenVPN-Software für sein Betriebssystem von der OpenVPN-Website herunterladen und installieren, bevor im zweiten Schritt die für den Zugang nötigen Konfigurationsdateien von Anonet kopiert werden können. Mit diesen ist zwar eine Einwahl, aber keine Namensauflösung möglich, diese kann erst nach der Ersteinwahl anhand der im nur über Anonet zugänglichen Wiki hinterlegten Anleitung erfolgen.

Erfahrungen
Hat man die Hürde der Installation und Konfiguration überwunden, präsentiert sich Anonet durchaus attraktiv, wozu vor allem die im Vergleich zu anderen Darknets spürbar höhere Geschwindigkeit beiträgt. Neben dem bereits erwähnten Wiki stehen dem interessierten Neuling diverse Weblogs, ein Forum sowie ein Chat auf Basis von IRC zur Verfügung sowie eine Vielzahl weiterer Dienste, die jedoch -der dynamischen Natur des Netzes entsprechend- nicht alle jederzeit verfügbar sind. Manche Dienste stehen zudem nur "vollwertigen" Mitgliedern von Anonet zur Verfügung, also Teilnehmern, die über einen permanent ans Internet angebundenen Server verfügen und über diesen individuell vereinbarte, dauerhafte Verbindungen zu anderen Teilnehmern ("Peerings") eingerichtet haben. Diese Einschränkung mag aus Sicht der Betreiber verständlich sein, da so die Infrastruktur verbessert und auch ein gewisses Vertrauensnetz aufgebaut werden kann; ein eindeutiger Nachteil ist jedoch, dass diese weitere Hürde für Personen ohne besonders ausgeprägte Kenntnisse in der Konfiguration von Servern und Netzwerken kaum zu überwinden sein dürfte.

Fazit
Für netzwerktechnisch Interessierte mit entsprechendem Wissen ist Anonet eine sehr interessante Sache, nicht zuletzt weil man in Anonet viele Dinge selbst erledigen muss, um die sich im "echten" Internet die Provider kümmern und mit denen man als Endbenutzer normalerweise keine Berührungspunkte hat. Nicht überraschend ist deshalb, dass sich in Anonet fast ausschließlich Benutzer mit entsprechenden Vorlieben und Kenntnissen tummeln, was sich logischerweise auch in der Auswahl diskutierter Themen widerspiegelt: Anonet-Benutzer beschäftigen sich am liebsten mit dem Netz als solchen, andere Aspekte spielen dagegen eher eine untergeordnete Rolle. Das gilt insbesondere für Filesharing: "Jäger und Sammler" dürften dem eher mageren Angebot keinesfalls viel abgewinnen können, ebensowenig wie vorrangig an nichttechnischen Themen Interessierte auf allzu viele Gleichgesinnte hoffen dürfen. Wer aber schon immer mal ISP spielen und wollte und mit Routing, BGP und idealerweise auch IPv6 auf Du und Du ist, wird an Anonet sicher seine Freude haben.

Links
Homepage von Anonet
Eintrag in der englischen Wikipedia



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Darknet-Kompendium (1): Einführung und Anonet986 Jack Guerdon 20.02.09 18:38
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Re: Gut und Schön 163 Joachim Hoff 23.02.09 11:57
Re: Darknet-Kompendium (1): Einführung und Anonet 179 Kreuzweis 22.02.09 13:16
Re: Es gibt bereits eine relativ schnelle sichere und unabhaengige Methode 188 Mick Dundee 22.02.09 15:38
RFC 2549 157 drchaos 22.02.09 16:28
Re: RFC 2549 165 Mick Dundee 22.02.09 17:23


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