Beim DM-Markt war das anders, also zog es mich zur Konkurrenz.
Nachdem sich herumgesprochen hat, dass man dort meist gar nicht mehr bezahlen muss, haben das ziemlich viele so gemacht, was wohl auch der Hauptauslöser für die Probleme von Schlecker ist.
Ich finde den Vergleich Schlecker<->dm recht interessant, weil sie auf dem gleichen Markt sehr schön die unterschiedlichen Unternehmertypen und Geschäftskonzepte repräsentieren: Auf der einen Seite Anton Schlecker, der schwäbische Billigheimer, der an Personal und Ladeneinrichtung spart, wo es geht, und eine ganze Zeit lang sogar den Telefonanschluss eingespart hat (das zu einer Zeit, als Mobiltelefone noch nicht ubiquitär waren); auf der anderen Seite der badische Lebemann Götz Werner (Gründer von dm), der stattdessen auf hochwertige Ladeneinrichtung, gute Gehälter und viele kostenlose Extras (z.B. Wickeleinrichtungen, junge Mütter sind ja ein wichtiges Kundensegment für Drogeriemärkte) setzte, und auch seit Jahren als Großsponsor für das Karlsruher Open Air "Das Fest" auftritt, dort Zelte aufstellt, in denen Kosmetik- und Drogerieartikel sogar verschenkt(!) werden.
Einem Anton Schlecker wäre derartiges wohl kaum in den Sinn gekommen, er stellte sich vielmehr genau so dar,
wie sich Linke den Kapitalismus vorstellen: Geizig, kleinlich, steril und irgendwie unsympatisch.
Nun stellt sich heraus, dass man damit gar nicht so weit kommt, sondern dass der Markt, dieses kaltherzige Raubtier, das nach weit verbreiteter Lesart dem Menschen zuliebe gezähmt, gebändigt, eingezwängt werden müsse, tatsächlich auf lange Sicht einem anderen Konzept den Vorzug gibt. Und das ganz ohne "Gesetz gegen schwäbischen Geiz im Drogeriemarkt", ein solches hat es nie gegeben, nein, ganz von selbst und freiwillig entscheiden die Kunden, was sie lieber hätten, und es kommt dabei mitnichten das heraus, was Linke und Gewerkschaften seit Jahrzehnten prophezeien, sondern genau das Gegenteil.
Ein Einzelfall ist das übrigens nicht: Auch die Billigheimer Nr. 1, die Albrecht-Brüder, zahlten schon immer vergleichsweise hohe Gehälter.
An der Geschichte von dm und Schlecker lässt sich erkennen, dass der Markt an sich sozial ist, auch ohne das explizit zu wollen, während der angeblich so soziale Sozialstaat in Wirklichkeit oft das Gegenteil bewirkt: Schlecker-Filialen haben nicht von ungefähr eine gewisse optische Ähnlichkeit zu den "Konsum"-Läden der DDR, genau wie der (kolportierte) Umgang von Schlecker mit Mitarbeitern deutliche Parallelen zum Umgang des SED-Staates mit seinen Bürgern aufweist. "Mitfühlender Liberalismus" ist daher ein Pleonasmus, nur braucht es wohl mehr als den Intellekt eines durchschnittlichen FDP-Funktionärs, um das zu erkennen.